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Lohndumping in der Binnenschifffahrt

Montag, den 23. Juni 2008 um 23:10 Uhr

Billiglohnarbeiter in der Binnenschiffahrt...

Mein ganz persönliches Reizthema. An dieser Stelle mache ich mir sicherlich den einen oder anderen zum Feind, insbesondere Partikuliere aber auch die großen Firmen in der Binnenschiffahrt, aber damit kann ich locker leben.

Als erstes mal meinen Dank an die Gewerkschaft für das Aufgeben des Kampfes um den Rheintarif. Ihr seid echte Helden.....begegnet mir nie im Dunkeln.

Damals gab es also den Rheintarif, der für die deutsche Binnnenschiffahrt den Lohn bis ins letzte Detail regelte. Dort stand haarklein drin was wie bezahlt werden muß. Sei es Überstunden,Feiertagszuschläge, Wochenendfahrten, Sonderarbeiten, Tankreinigung (auf Tankern die Laderäume cleanen), freie Tage, Nachtarbeit und noch mehr. Alles wurde berücksichtigt.

Haustarif

LohnpiraterieDann der Knall in der Schifffahrt. Die Frachttarife stürzten ins bodenlose, pro Tonne Fracht gab es teilweise nicht mal mehr die hälfte des alten Preises. Den Firmen stieg das Wasser bis zum Kinn, die Lohnkosten blieben aber gleich oder stiegen sogar. Einige Firmen kamen auf die Idee einen eigenen Tarif zu erstellen, den sogenannten "Haustarif". Dieser Tarif lag natürlich weit unter dem Rheintarif, da nur ein fester Lohn bezahlt wird, egal welche arbeiten in welchem Umfang anfallen. Ob man nun 8 oder 20 Stunden am Tag arbeitete, am Lohn änderte sich nichts mehr. Es gab jeden Monat den gleichen Nettolohn auf das Konto. Die Firmen erholten sich dadurch natürlich nach und nach wieder und ihnen ging es besser. Aber die Besatzung auf den Schiffen guckte weiterhin in die Röhre. Das Model Haustarif hat sich schneller verbreitet als ein Virus. Die Gewerkschaft lief natürlich dagegen an, gab aber irgendwann doch auf und der Rheintarif war Geschichte.

Nein, er ist nicht ganz verschwunden, der Rheintarif existiert weiterhin, wenn auch in einer etwas anderen Form und dieser Tarif ist gar nicht mal so übel. Viele würden auf einen Schlag mehrere hundert Euro im Monat mehr verdienen wenn, ja wenn, sie diesen Tarif bezahlt bekämen. Und da beginnt das Problem. Man wird heutzutage gar nicht erst eingestellt wenn man auf den Tariflohn besteht, und das obwohl stur nach Rechtslage ausgelegt, dieser Tarif bezahlt werden muß. Die Firmen wissen aber auch das es genug dummes Personal gibt das für den Haustarif fährt, so das man auf die wenigen, die den Tarif verlangen, ohne weiteres verzichten kann, sprich, sie erst gar nicht einstellt. Als Begründ für das nicht zustande kommen des Arbeitsverhältnisses wird hierbei natürlich etwas völlig anderes angegeben.

Heute macht in der Schiffahrt jeder was er will. Haustarife gibt es wie Sand am Meer. Meist hat ein und dieselbe Firma gleich mehrere Tarife und zahlt seinen Mitarbeitern unterschiedliche Löhne. So kann es passieren das 2 Matrosen mit exakt der gleichen Qualifikation auf dem selben Schiff 2 unterschiedliche Löhne bekommen. Nicht umsonst findet man in vielen Arbeitsverträgen die Klausel das man über seine Verdienste nicht mit anderen sprechen darf.

Da könnt ich.... und halte mich natürlich nicht daran.

Aber das ist nur die Spitze des Eisberges, das geht noch schlimmer.

Während der Durchschnittslohn eines Matrosen bei ca. 1100-1300 € liegt gibt es auch noch die Billiglohnarbeiter aus den Ostblockländern. Diese sogenannten Matrosen, die mal irgendwo auf einem Acker gestanden haben und eventuell ein Schiff aus der Ferne gesehen haben, arbeiten hier in Deutschland teilweise für einen Lohn von 600-900 €. Ganz besonders Selbstständige (Partikuliere) aber auch viele Firmen lecken sich die Finger nach diesen Leuten. Billiger können sie ihr Personal ja nicht haben.

Ein kleines Beispiel

Zu meiner Zeit als Matrose, nehmen wir als Beispiel das Jahr 1986, arbeitete ich für die Reederei Kaufer auf dem Maintank 4, einen kleinen 85 Meter langem Tanker. Wir hatten mehr Fracht als Zeit und sind rund um die Uhr gefahren um die Termine halten zu können, Wochenende und Feiertage gab es nicht, es ging in einer Tour weiter. Es gab zu der Zeit noch den Rheintarif und so haben wir uns allein durch die Überstunden, Wochenenden und Feiertagzuschläge dumm und dämlich verdient. Ich bin teilweise mit über 9000 DM Brutto aus dem Monat rausgegangen. Ok, zum heulen waren dann die Abzüge, besonders die Lohnsteuer haute bei mir immer voll rein (Lohnsteuerklasse 1). Umgerechnet auf heute ergeben bei gleicher Leistung allein die Lohnsteuerabzüge den doppelten Nettolohn eines Matrosen in der heutigen Zeit.

Theoretisch müßte ein Matrose heute bei gleicher Leistung auf ca. 4300 € brutto kommen, netto ungefähr auf 2800 €. Und was verdient er ? 1300 € wenn er Glück hat ? Na Mahlzeit... Halber Lohn für die gleiche Leistung. Eine tolle Entwicklung.

Qualifiziertes Fachpersonal mit der dazugehörigen Ausbildung, Fähigkeiten und Kenntnissen stehen heutzutage ganz weit hinten an. Gefragt ist wie billig du den Job erledigst und ob Du ein Schifferdienstbuch hast. Hauptsache die Mindestbesatzung die ein Schiff haben muß um fahren zu dürfen ist erfüllt. Ob Du ein Schiff be- oder entladen kannst, ob Du in der Schleuse festmachen kannst oder überhaupt Ahnung von dem hast was Du da tust ist mehr oder weniger nebensächlich geworden.

Ich nenn solche Leute "Fast Food Matrosen", schnell zu haben, leicht zu entsorgen.

Ein Beispiel wie es anders geht

Gehen wir mal nach Luxemburg. In Luxemburg gibt es eine Mindestlohnregelung. Diese Regelung besagt das der vorgegebene Lohn nicht unterschritten werden darf. Aktuell liegt dieser Lohn bei ca. 1405 € netto, sofern ich richtig informiert bin. Dieser Mindestlohn ist Index orientiert und erhöht sich automatisch mit den steigenden Lebenserhaltungskosten mehrmals im Jahr.

Viele deutsche Reedereien unterhalten in Luxenburg einen weiteren Sitz ihrer Firma oder gleich ein eigenständiges Tochterunternehmen. Der Grund dafür ist klar, die Lohnnebenkosten betragen in Luxenburg mal gerade 13-14 %. Der Nettolohn eines Matrosen der in Luxenburg angemeldet ist überragt den Lohn eines in Deutschland arbeitenden Matrosen um mehrere hundert Euro und das bei gleicher Leistung. Luxembourg sagt auch ganz klar das Arbeiter aus Nicht-EU Staaten in Luxembourg nicht arbeiten dürfen. Dadurch bekommen die Fast Food Matrosen in erst gar keine Chance dort zu arbeiten. Das und die Mindestlohnregelung verhindert einen Lohnverfall wie wir es in Deutschland erleben. Und obwohl die Firmen unterm Strich höhere Nettolöhne auszahlen sparen sie durch die niedrigeren Lohnnebenkosten etliche hundert Euro pro Mitarbeiter ein.

Zurück in die Heimat

In Deutschland ist man mittlerweile aufgewacht und hat sich der Sache angenommen, wenn auch mit zwei müden Augen. Immerhin ist der Lohnverfall, der sich ja nicht nur auf die Schiffahrt auswirkt sondern sich durch alle Berufszweige zieht, nicht unbemerkt geblieben. Ja, ich kenne unsere Regierung, die brauchen halt für alles doppelt so lange... Zumindest macht man sich bei uns schon Gedanken darüber eine Mindestlohnregelung einzuführen.

An was die wohl gemessen wird ? Ostblocklöhne ? Sozialhilfesatz ? Einheitslohn 1000 € für alle ?

Irgendwie ahne ich in dieser Beziehung nichts gutes...


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Kommentare (11)Add Comment
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geschrieben von bla , 15 June, 2011
Hauptsache Mindestbesatzung!
Bei den meisten Partikulieren noch nicht einmal das, da machst du die ganze Arbeit als Steuermann auf einem 110x11,40 Dampfer allein... und das bei B-Fahrt!
Chronischer Schlafmangel ist da vorprogrammiert und wenn dann doch mal Zeit zu Schlafen währe bekommst du gesagt das es ja jetzt früh 8:00 Uhr ist und man da auch jetzt ruhig mal noch was schleifen/streichen/abwaschen/etc. kann... (ganz egal ob du die letzten 20 Stunden am Steiger gelegen hast und geladen/gelöscht hast und sowieso schon am Ende deiner Kräfte bist)
...und das für 1300eu netto? Als Steuermann mit abgeschlossener Lehre, UBI, ADNR, und sämtlichen qualifikationen die man sonst noch außer Patent und Radarpatent haben kann?
Das ist leider tatsächlich gang und gebe und wenn man sich beschwert, bekommt man gesagt das man ja auch gern nach Hause gehen darf... immerhinn gibt es genug Tschechen/Pohlen/Slowaken etc. die den Job auch für die Hälfte machen, Tag und nacht arbeiten und die Schnauze halten...
Und wenn es selbst die nicht mehr machen, holt man sich eben ein paar Philippinos, die arbeiten für 600eu netto, bleiben 6 Monate am Stück an Bord, Schlafen zu dritt in einem Bett, Essen nichts, trinken nichts und brauchen auch keinen Schlaf...
Ich bin ja wirklich kein Rassist und hab auch ganz bestimmt keine rechte Meinung...
aber sowas treibt mich einfach zur Weißglut!
Diese Amateure, die noch nicht einmal einen Hauptschulabschluss haben, an ihren Steuermanns-Titel nur durch Fahrzeit gekommen sind (die am besten auch noch gefaked ist) und vom Tuten und Blasen keine Ahnung haben...
Immerhinn mähe ich auch schon seit 20 Jahren zu Hause den Rasen, schneide Hecken und verlege Pflastersteine... bis heute hab ich keinen Landschaftsgärtnerbrief bekommen...
Seltsam oder?
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geschrieben von klausi , 02 May, 2010
tut euch endlich zusammen und lasst die reeder mal im regen stehen und das insbesondere bei der passagierschifffahrt. so kann es doch nicht weiter gehen ich kann von meinem lohn kaum noch leben und eigendlich sollte man auch mal ins theater, konzert oder kino gehen aber das ist gar nicht mehr drinn. wenn ich im winter arbeitslos bin hab ich ohne arbeit fast das gleiche geld und bin zu hause. was hier abgeht ist zum kotzen.smilies/cry.gif
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geschrieben von Micha , 15 March, 2010
Für die rechtschreibung bitte ich um entschuldigung aber meine tastatur hängt bei manchen tasten . Ist eben alt.
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geschrieben von Micha , 15 March, 2010
Es gibt auch noch wirklich gutes Deutsches personal aus Deutschland .Das ein Deutscher Steuermann nicht für 1200 € arbeiten möchte kann ich verstehen , man mußte diesen beruf früher mal lernen . Heute macht das jeder Penner . warum hat man mal gelernt ? Auch in der Schifffahrt gibt es Probezeiten ,wenn das Personal nix taugt braucht nimamd es einstellen. Man erwartet von der Besatzung gute arbeit aber guter Lohn wird trotzdem nicht gezahlt . Ein Mitarbeiter ist im algemeinen kein Leibeigener .WID ABER SO BEHANDELD ! Meistens jedenfalls .Ostblockpersonal beherscht oft noch nicht einmal die landessprache fährt aber in Deutschland auf Deutschen Schiffen mit gefälschten Dienstbüchern als Fachpersonl! Aber sie sind billig ! Der Schiffer stöhnd über niedrige Frachten der Seuermamm hat den mund zu halten und zu arbeiten. Für 1300 max. Am liebsten 24 stunden .Schade eigentlich . Es gibt reichlich gutes Europäiches Personal am Markt ader nicht zu diesn Preisen. Die Wirtschaftslage kennt der Mitarbeiter auch, sein Preis wird niemand in die Pleite treiben .Mit gutem Personal kann man immer über den Lohn reden . Gute Schiffe sind auch teuer . Schiffer wahren mal wie eine Famielie Heute leider nicht mehr .
Bahamut
Schwarze Schafe gibt es immer
geschrieben von Bahamut , 22 February, 2010
Hallo E.H.

Ich kann deinen Unmut in einer gewissen Weise verstehen, denke aber das Du maßlos übertreibst. Schwarze Schafe gibt es überall, ob nun Deutsche, Tschechen, Polen, Russen, Afrikaner oder sonstige. Du hattest halt mit deinen Afrikanern Glück und konntest sie für 10 Jahre halten. Das gleiche Glück haben aber andere auch mit deutschem Personal, also bitte nicht alle über einen Kamm scheren.

Dann kommen die Leute entlich an Bord und stinken nach Alkohol. Wenn man sie raus klingelt torkeln sie über Deck und haben dann auch noch eine große Klappe.

Da frag ich mich ernsthaft warum man solches Personal noch einsteigen lässt.

Nur die wenigsten in der Binnenschifffahrt verhalten sich so, der größte Teil ist qualifiziert, motiviert und macht seine Arbeit so wie es erwartet wird und hat dementsprechend auch eine angemessene Bezahlung verdient, denn eines ist sicher: Das Personal in der deutschen Binnenschifffahrt ist unterbezahlt. Die Verhältnismäßigkeit stimmt schon lange nicht mehr.

Mfg
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Besatzung und Lohn
geschrieben von E.H. , 22 February, 2010
Hallo liebe Leute!
Wir sind eine Partikuliersfamilie und fahren mit Afrikanern als Matrosen
bzw. Steuerleute und das mit den gleichen Leuten seit über 10Jahren.
Ich möchte diese Leute für kein Geld der Welt mehr gegen deutsches Personal
eintauschen.
Wir haben deutsches Personal an Bord gehabt und Tarif bezahlt. Was hat man als Leistung bekommen, Einsteigetag"och ich muß nochzum Arzt" "heute ist schlecht meine Oma ,Mutter usw.hat Geburtstag. Dann kommen die Leute entlich an Bord und stinken nach Alkohol. Wenn man sie raus klingelt torkeln sie über Deck und haben dann auch noch eine große Klappe.
Da frag ich mich mit welchem Recht sich manche auf tarifliche Bezahlung berufen,wenndie Gegenleistung nicht gebracht wird.
Seid mir nicht böse deutsches Personal, aber ich hoffe es waren nur Ausnahmen die wir hatten,nein DANKE
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Re: Lohntarife
geschrieben von Christian , 09 November, 2009
Danke Bahamut. Ich hab nämlich auch nichts gefunden.
Das ganze System stinkt sowieso. Auf dem Schulschiff in Duisburg bekommt man keinen Lehrgang mehr, weil alles von Jägers und ProJob blockiert wird und auf dem Rhein muss man am Funk ne slawische Sprache beherrschen.
Ich geh auf eigene Rechnung ablösen. Die Berufsgenossenschaft fordert hunderte von Euros und das Finanzamt macht sofort das Konto dicht wenn die "ihr" Geld nicht bekommen. Schöne Zustände sind das in Deutschland. Dispo bei der Bank kann man auch vergessen.
Die lassen jetzt wirklich alles an den ganz kleinen Leuten aus was sie vergeigt haben.
Bahamut
Lohntarife der Binnenschifffahrt
geschrieben von Bahamut , 09 November, 2009
Hallo Christian

Du kannst dir im Binneschifffahrts-Verlag die Lohntarife für 8.50,- Euro bestellen:

http://www.binnenschiffahrts-verlag.de/home/index.php?p=pr&kat_id=6

Leider hab ich keine aktuelle Ausgabe vorliegen und im Netz bin ich nicht fündig geworden. Da die Tarifverträge vor Jahren gekündigt wurden, macht heute eh jeder seinen eigenen Haustarif. Den sogenannten Rheintarif bekommt man nirgends mehr bezahlt.

Mfg
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geschrieben von Christian , 09 November, 2009
Hallo.

Weiss denn jemand wie hoch der Tariflohn für einen "Steuermann ohne Patent" ist und wieviel real im Durchschnitt bezahlt wird?
ADNR und Funkzeugis, sowie mehrjährige Berufserfahung (Tanker und Frachter) sind vorhanden. Ausserdem habe ich eine abgeschlossene Lehre.

Ihr könnt mir gern ne Mail schicken. cb1971@hotmail.de

Vielen Dank.
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geschrieben von Christian K. , 21 October, 2009
Ganz meiner Meinung! Aber ändern kann man auch leider als kleiner Matrose nicht viel!
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geschrieben von Philipp Zaunmueller , 05 November, 2008
Da gebe ich dir absolut recht.

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