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Der Steuermann

Montag, den 23. Juni 2008 um 20:52 Uhr

An dieser Stelle möchte ich Dir ein wenig über meinen Beruf als Steuermann in der Binnenschiffahrt erzählen und wie ich es wurde.

Die Lehre

kaufer.pngAm 1.1.1980 begann ich meine Lehre zum Matrosen bei der Reederei Kaufer aus Würzburg. In Würzburg habe ich auch 4 mal im Jahr für 4 Wochen die Berufsfachschule an der Sieboldshöhe besucht. Die Lehre an sich war hart. Ich war 14 als ich anfing.

Laut Jugendschutzgesetz eigentlich noch zu jung aber die Gesetze waren damals noch nicht so streng wie heute, so das ich trotz Jugendschutz arbeiten durfte, wenn auch mit Einschränkungen (an die sich eh niemand gehalten hat). In diesem Alter schon Tag und Nacht arbeiten, manchmal bis zu 20 Stunden am Tag, ist kein Vergnügen. Ich war mehr als einmal soweit alles hinzuwerfen. Irgendwie bin ich aber doch heil durch die Lehre gekommen.

Es gab damals keine Schichtarbeit in der Binnenschiffahrt. Bis auf den regulären Jahresurlaub von 6 Wochen war ich ständig an Bord und kam nur selten nach hause. Das war für mich das schlimmste in der Zeit. Völlig isoliert von allem und immer nur auf dem Schiff kam ich mir vor wie ein Außerirdischer wenn ich dann doch mal für ein paar Tage zuhause war. Freundschaften oder Beziehungen waren damals Fremdworte für mich denn sie hielten meist nicht lange. Ich war schnell wieder vergessen wenn ich wieder ein paar Wochen weg war. Da freute ich mich richtig auf die 4 Wochen Berufsschule. Da hatte ich viel Zeit alles nachzuholen und mich ein wenig auf den neuesten Stand zu bringen. Was eigentlich auch nichts anderes bedeutete als 4 Wochen lang Party zu machen und wenn man Glück hatte das ein oder andere Mädchen kennenzulernen.

Ich wurde für die Zeit in Würzburg im Kolpinghaus untergebracht. Dort wohnten viele die von außerhalb kamen und wie ich ebenfalls in Würzburg eine Ausbildung machten. Das ging von dem Beruf Altenpfleger über Binnenschiffer bis hin zu Zimmermänner. In unserem Kurs waren wir meist über 30 Lehrlinge und die meisten kamen wie ich von weit her und wohnten während der 4 Wochen Berufsschule im Kolpinghaus. Was da los war könnt ihr euch sicher denken, oder ?

Die Schule kam dabei trotzdem nicht zu kurz denn die Auflagen waren streng. Wer sich nicht an die Regeln hielt spielte mit seiner Ausbildung. Ich habe mehr als einen gehen sehen und gehörte beinahe mal selbst dazu. Trotzdem war es eine schöne Zeit. Ich denke noch heute oft daran zurück und so manche Chaoten würde ich gerne mal wiedersehen.

Endlich Matrose

Im Juli 1984 machte ich dann die Abschlußprüfung zum Matrosen. Damit war die schöne Zeit vorbei. Nix mehr mit Party in Würzburg und dem Wissen das ich in zwei Monaten wieder dorthin zurück komme. Von nun an ging es richtig rund und die "schöne" Zeit war ganz vorbei.

Ich fuhr zwei Jahre als Matrose bevor ich als Matrose - Motorenwart eingesetzt wurde und von da an für die Antriebsmaschine und Generatoren inklusive aller anderen mechanischen und elektrischen Einrichtungen zuständig war. Natürlich alles neben den sonst üblichen Arbeiten die auf einem Schiff anstehen. Und das sind nicht gerade wenig, aber das ist ein Kapitel für sich und würde den Rahmen dieser Seite sprengen.

Steuermann

1990 wurde ich dann zum Steuermann hochgestuft, was aber nicht bedeutete das ich meine Aufgaben als Motorenwart oder Matrose los war, geschweige denn die anderen arbeiten. Wäre ja auch zu schön gewesen. Vielmehr wurden die Bestimmungen dahingehend geändert das Schiffe die Tag und Nacht fahren eine Mindestbesatzung haben müssen und bei uns fehlte zu dieser Zeit ein Steuermann. So wurde ich es ein wenig früher als vorgesehen.

Als Steuermann ist man eigentlich das Mädchen für alles. Als Matrose hat man nichts mit dem Fahren des Schiffes zu tun. Man macht seine Decksarbeiten und das wars . Als Schiffsführer (In der Binnenschiffahrt gibt es die Bezeichnung "Kapitän" nicht) hat man wiederum nichts mit den anstehenden Arbeiten an Deck zu tun.

Fährt man dagegen als Steuermann ist man der dumme. Man ist kein Matrose mehr, macht aber immer noch die arbeiten an Deck mit. Man ist aber auch kein Schiffsführer, macht aber diese arbeiten, das fahren des Schiffes, auch mit. Natürlich nicht gleichzeitig und ständig. In den meisten Fällen läuft es darauf hinaus das man sich mit dem Schiffsführer abwechselt beim Fahren. Wenn der Schiffsführer zum Beispiel Frühstückspause machen möchte oder zum Mittagessen will oder sich auch nur mal für ein paar Stunden schlafen legen möchte (Das nennt sich dann "Ich geh mal Reiseberichte schreiben") ist der Steuermann dran mit fahren. Man braucht schon sehr viel Erfahrung und Wissen um ein Schiff steuern zu können und es setzt eine lange Lernphase voraus den Rhein mit all seinen Tücken und Besonderheiten befahren zu können.

Viele denken ja wo Wasser ist, da kann man auch fahren. Von wegen. Denn unter der Wasseroberfläche sieht es ganz anders aus. Auch wenn der Rhein oberflächlich 100 Meter breit ist, so kann es sein das nur eine Fahrrinne von 50 Metern mit einer ausreichenden Tiefe für das Schiff vorhanden ist. Und die sollte man kennen sonst hat man sich sehr schnell auf Gund festgefahren, was schlimme Folgen haben kann.


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Kommentare (4)Add Comment
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geschrieben von ozan demirdag , 04 April, 2011
hi was macht ihr so ich hoffe ihr macht nix
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Der Steuermann
geschrieben von uwe , 24 June, 2010
Hallo
Ich finde die Geschichte des Steuermanns sehr gut geschrieben.
Dennoch frage Ich mich warum er solange gebraucht hat zum Maschinenwart,
Warum solange zum Steuermann.
Auch Ich bin mit 14 J. angefangen und im 3. Lehrjahr war ich Maschinenwart, das ist
keine Ernennung nach Jahren, sondern nach Interesse.
Zum Steuermann muß Ich sagen, das der oder die Schiffsführer dir alles beibringen
vom fahren bis zur Strecke.
Wenn du da gut bist dann schlägt man dich zum Steuermann vor. Also kann der Schiffsführer ruhig Papiere machen, weil er ja weiß was er dir beigebracht hat.
Ich war froh das Ich eine Fa. hatte die mich auf ein Schiff gesetzt hat was damals
in ganz Deutschland und umliegende Länder unterwegs war, das der Schiffsführer mich vieles allein machen ließ.
Ich habe mit 20 J. das Patent für den ganzen Rhein auf einmal erworben in Duisburg.
Mit 21 J. fuhr Ich allein als Schiffsführer.
Bahamut
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geschrieben von Bahamut , 13 October, 2009
Hallo Thea

Rein theoretisch ist es nicht erlaubt. Als Steuermann darf ich fahren, aber es sollte (laut Vorschrift)immer ein Schiffsführer (als Verantwortungsträger) zugegen sein. Es ist kein Problem wenn der Schiffsführer sich schlafen legt, allerdings nicht unerreichbar weit weg. Im Notfall muss er sofort eingreifen können und das funktioniert nur wenn er praktisch im Steuerhaus schläft oder in wenigen Sekunden "vor Ort" ist. Die genauen Vorschriften kann dir die WSP erläutern.

In der Regel ist es aber so das erst mal geguckt wird wie derjenige fährt, welchen Wissens- und Kenntnisstand er hat, ob das Schiff sicher geführt wird, wie der Umgang mit dem restlichen Verkehr gehandhabt wird bevor sich der Schiffsführer auch nur 1 Meter aus dem Steuerhaus entfernt. Immerhin trägt er die Verantwortung für das Schiff, auch wenn er nicht selber am Ruder sitzt.

MfG
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geschrieben von Thea , 12 October, 2009
Du schreibst, dass du als Strm. fährtst und der Schiffsführer schläft und das über mehrere Stunden, geht das überhaupft ist das rechtlich so zulässig? Was sagt denn, da die WSP dazu wenn sie eine Bordkontrolle macht?

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