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Trockenübungen für Schiffsführer

Freitag, den 04. April 2008 um 00:00 Uhr

Duisburg - 4.4.2008

Am Schiffer-Berufskolleg in Homberg entsteht Europas modernster Fahrsimulator für die Binnenschifffahrt. Ein großer Teil der europäischen Wasserwege kann damit detailgetreu dargestellt werden.

Dem Kind im Manne jucken schon die Finger: Mit diesem Ding würde man gerne mal Kapitän auf dem Rhein, der Donau, der Seine spielen! Da steht man am Steuer eines Schiffes, fühlt die Vibrationen der Maschinen unter seinen Füßen, lässt den Blick über die Flusslandschaft und die Ufer schweifen. Und fährt man den Kahn mal vor eine Kaimauer oder setzt ihn auf eine Sandbank: Schwamm drüber – es ist ja alles nur Simulation!

Solch ein Simulator entsteht zurzeit im Homberger Schiffer-Berufskolleg. Es wird der modernste in ganz Europa. „Damit wird Duisburg als Zentrum für Binnenschifffahrt weiter gestärkt“, freut sich Schulleiter Hans-Günter Portmann. Einfach mal zum Spaß Schiffsführer spielen, das geht aber natürlich nicht. Zwei Dozenten des Schiffer-Berufskollegs, Klaus Paulus und Rolf Häring, werden eigens im Umgang mit der komplizierten Computertechnik geschult. Sie werden die Schüler betreuen, die später am Simulator im Fahren mit Radargeräten aus- und fortgebildet werden.

Tiefton-Lautsprecher

Der neue Simulator löst die 1991 eingeführte Simulationsanlage „Sarah“ ab, die vergleichsweise altertümlich anmutet. Bei „Sarah“ saßen die angehenden Schiffsführer in einer kleinen Kammer und sahen den Fluss lediglich als typisches Radarbild („grüne Striche auf schwarzen Grund“). Für den neuen Simulator wird dagegen in einem großen Raum der Führerstand eines Schiffes originalgetreu aufgebaut. Auf eine abgerundete Panoramawand davor wird später die Flusslandschaft in allen Details projiziert. Unzählige Fotos eines großen Teils der Flüsse Europas mussten dafür digitalisiert werden. Um die Illusion perfekt zu machen, werden über Subwoofer (Tiefton-Lautsprecher) tiefe Töne abgegeben, die zwar nicht gehört, aber als Vibrationen wahrgenommen werden.

Die alte „Sarah“ konnte mit neuen Schiffsantrieben und den modernen, bis zu 135 Meter langen Rheinschiffen nichts mehr anfangen. Die neue Anlage soll nicht so bald veralten: Ihre Software wird ständig aktualisiert werden. „Flüsse verändern sich ständig. Da ist jedes Detail wichtig“, erläutert Dozent Klaus Paulus. Die Pflege der Software übernimmt das Entwicklungszentrum für Schiffstechnik und Transportsysteme in Neudorf (DST). Dort ist bereits ein ähnlicher, kleinerer Simulator für wissenschaftliche Zwecke gebaut worden. Dabei gehe es um das Verhalten von Schiffen in Flachwasser. „Das ist eine ideale Zusammenarbeit“, lobt Hans-Günter Portmann.

Im Juni soll der Simulator fertig sein. Für September ist die offizielle Einweihung geplant. Und dann, da ist sich Portmann sicher, wird das Schiffer-Berufskolleg eine internationale Attraktion der Binnenschifferbranche: „Fachleute aus der ganzen Welt werden kommen, um sich über den Simulator zu informieren.“


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