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Stau an Wesels Schleuse
Montag, den 20. Oktober 2008 um 14:48 Uhr
Wesel - 20.10.2008
Der Schifffahrtsverkehr auf dem Wesel-Datteln-Kanal wird immer dichter. Im vergangenen Jahr drängten sich allein durch die Friedrichsfelder Schleuse 24 524 Güterschiffe. Die Planungen zum Ausbau der sechs Schleusen entlang des Kanals laufen bereits.
Der „Bayrische Wald“ gleitet mit zwölf Stundenkilometern durch den Wesel-Datteln-Kanal und erzeugt, trotz der vergleichsweise gemächlichen Geschwindigkeit, eine kleine Seitenwelle, die die „Oberhausen“ kurzzeitig ins Wanken bringt. Kein Wunder, hat das „alte Schätzchen“, wie Christian Hoppmann, Leiter des Wasser- und Schifffahrtsamtes Duisburg-Meiderich, das Bereisungsboot zu nennen pflegt, schon rund 94 Jahre auf dem blank gebohnerten Buckel und ist, trotz Grundsanierung, die alte Lady des Schifffahrtverkehrs auf den hiesigen Kanälen.
„Sie ist ungefähr genau so alt wie der Rhein-Herne-Kanal selbst“, lacht Hoppmann. Vom Inneren der „Oberhausen“, den Blick beinahe auf Wasserspiegelhöhe, sieht der 100 Meter lange Kohletransporter deshalb beinahe ein wenig bedrohlich aus. Auch auf den Wasserstraßen ist eben alles eine Frage der Perspektive.
Die Bedeutung der künstlichen Wasserstraßen im Ruhrgebiet wollen Christian Hoppmann und seine Kollegen in passendem Ambiente thematisieren und so zieht, während der Power-Point-Vortrag allerhand Wissenswertes rund um die hiesige Nutzung von Rhein-Herne-, Wesel-Datteln- und Dortmund-Ems-Kanal erläutert, am Backbord der abgesehen von dem modernen Präsentations-Flachbildschirm typischen urigen Kajüte, die Landschaft vorüber.
Stark befahrenes Kanalnetz
Im Jahre 1930 war der Wesel-Datteln-Kanal in Bau gegangen und bildet mit den drei anderen Wasserstraßen das Herzstück des deutschen Schifffahrtverkehrssystems. Besonders die Verbindung zu den deutschen Nordseehäfen und den Niederlanden hat in den vergangenen Jahren für wachsenden Verkehr auf den künstlichen Wasserstraßen gesorgt. Geprägt durch die vielen Ballungszentren im Ruhrgebiet ist das Kanalnetz stark besiedelt, wovon insgesamt 110 Brücken, 24 Schleusenkammern und vier Sperrtore zeugen. Das Wasser- und Schifffahrtsamt muss sich deshalb um die regelmäßige Inspektion des Wasserbettes kümmern und das hohe Verkehrsaufkommen regulieren. „Der Wesel-Dattel-Kanal ist der meist befahrene Kanal im deutschen Wasserstraßennetz“, erklärt Christian Hoppmann. Allein auf Nordrhein Westfalen entfällt über 50 Prozent des Güterverkehrsaufkommens der Binnenschifffahrt in ganz Deutschland und sorgt damit für rund 125 000 Arbeitsplätze.
Und der Strom auf dem Wasser reißt nicht ab. Die Durchfahrtszahlen in den Schleusen erhöhen sich stetig, 2007 haben im Vergleich zum Vorjahr 8,6 Prozent mehr Schiffe die Friedrichsfelder Schleuse passiert. Auch Datteln, Herne und Duisburg übertrafen mit Steigerungen von bis zu zwölf Prozent das Vorjahr.
Neben Kohle, Baustoffen und chemischen Produkten werden wegen steigender Nachfrage nach Bio-Energie auch immer mehr landwirtschaftliche Produkte auf dem Wasserweg transportiert.
80 Jahre alt
Parallel zu den steigenden Transportzahlen wurden in den vergangenen Jahren auch die Schiffe immer größer. Das durchschnittliche Transportschiff ist mittlerweile 110 Meter lang und hat eine Kapazität von 2000 Tonnen Ladung. Doch die steigenden Zahlen verlangen nicht nur nach Rund-um-die-Uhr-Betrieb der Schleusen.
Im Jahre 2013 sollen diese sogar komplett erneuert werden, um Blockbildung, also Staus, auf dem Kanal zu vermeiden. 80 Jahre sind die sechs großen Schleusen am Wesel-Datteln-Kanal von Friedrichsfeld bis Datteln mittlerweile alt. Ihre kleinen Pendants entstanden zwar erst in der 70er Jahren, werden ob der bald erreichten Kapazitätsgrenze jedoch immer öfter zu regelrechten Nadelöhren im Kanalbetrieb. Die Planungen für den großflächigen Umbau laufen.






