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Eis legt die Schifffahrt lahm (Updates)

Sonntag, den 11. Januar 2009 um 15:46 Uhr

Kalt ist es in Deutschland - Eiskalt. Das bekommen immer mehr Gewässer zu spüren. Die anhaltende Kälte legt nach und nach immer mehr Flüsse und Kanäle lahm. Die Eissituation hat sich verschärft.

 

koblenz
Eisschollen an der Moselmündung

Seit  Freitag sind in Koblenz Eisbrecher im Einsatz, um die Mosel von den bis zu fünf Zentimeter dicken Eisflächen und Schollen zu befreien. "Wir versuchen, die Staustufe möglichst eisfrei zu halten", berichtet Günter Werner. Denn, so der Leiter des Koblenzer Wasser- und Schifffahrtsamts (WSA), dort bereitet das Eis derzeit die größten Probleme. Während die Schiffe am Freitag noch im offenen Wasser der Mosel uneingeschränkt fahren durften, wird das Schleusen immer schwieriger.Das Problem: Oberhalb der Wehre und in den Schleusenkammern sammelt sich Eis und lässt sich von den Schiffen beim Einfahren nur schwer verdrängen. Und die Schiffe schieben die dicken Platten vor sich her - manchmal so viel, dass in der Schleuse kein Platz für Eis und Schiff bleibt. Mit "Spülgängen", bei denen nur das Eis geschleust wird, schafft man Platz. Schwierigkeiten bereitet auch das Öffnen und Schließen der Tore: durch anfrierendes Eis und Eisschollen, die sich dahinter verkeilen.

 

Update 11.1.2008: Wegen des anhaltenden Frostwetters muss die Schifffahrt auf der Mosel eingestellt werden. Zwischen Koblenz und Enkirch sei der Fluss auf einer Länge von etwa 100 Kilometern ab Sonntagnachmittag gesperrt, sagte ein Sprecher des Wasser- und Schifffahrtsamts (WSA) Koblenz auf ddp-Anfrage. Mit einer Freigabe der Mosel für die Binnenschifffahrt sei frühestens Dienstag wieder zu rechnen.

Die tagelange eisige Kälte hat den Main zum Stillstand gebracht (Bild unten): Seit der Nacht ist der Main weitflächig zugefroren: Zwischen Lengfurt und Schweinfurt ist die Schiffahrt deswegen eingestellt. Das Wasser- und Schifffahrtsamt Schweinfurt teilt mit, dass ab Montag der gesamte Schiffsverkehr auf dem Main aufgrund der extremen Eissituation bis auf Weiters eingestellt wird. Im Laufe des Sonntags werden den 25 Schiffen, die noch auf dem Main von Marktheidenfeld bis Bamberg unterwegs sind, Liegeplätze zugewiesen.

 

main
Der zugefrorene Main

Hinter der Schleuse Friedrichsfeld türmen sich die Eisschollen. Die Binnenschifffahrt im westlichen Teil des Wesel-Datteln-Kanals liegt lahm. Oberhalb des Tores liegen sieben Schiffe. Eiszapfen hängen an den schwarz-gelben Toren der Schleuse Friedrichsfeld. Hinter der kleinen, 110 Meter langen Kammer türmen sich Zentimeter dicke Eisschollen. Das Tor zum Rhein ist zugefroren – die Binnenschifffahrt auf dem Wesel-Datteln-Kanal sprichwörtlich auf Eis gelegt. Einige hundert Meter weiter – im Oberwasser des Kanals – sitzen Freek Beugelink und seine MS „Silvia“ fest. Seit drei Tagen liegt das Küstenmotorschiff aus Amsterdam kurz vor der Schleuse Friedrichsfeld. „Als wir ankamen, wurde gerade das letzte Schiff geschleust“, sagt der 54-jährige Niederländer. „Dann war Feierabend.“ Seitdem warten Beugelink, Frau Silvia und Hund Teddy auf Tauwetter. „Dieser Ballast muss so schnell wie möglich raus“, erklärt der Niederländer und zeigt mit dem Finger auf einen dicht vereisten Frachtraum. „Um mein Schiff schwerer zu machen, habe ich Wasser geladen. Das ist jetzt natürlich auch gefroren.“ Normalerweise finden im Frachtraum rund 1400 Tonnen Kohle Platz.

 

Auch am Dortmund-Ems Kanal sieht es nicht besser aus. Ralf Majkrowitz und Alfred Fels sind gefragt in diesen Tagen. Ständig klingelt das Handy, es knistert im Funkgerät. „Wir müssen noch nach Bramsche“, gibt Kapitän Majkrowitz an seinen Kollegen weiter, als dieser endlich auflegt. Von 13 bis 22 Uhr sind die beiden Bevergerner als zweite Schicht auf der „E 15 51“ unterwegs, dem Eisbrecher des Wasser- und Schifffahrtsamtes Rheine.

 

geesthacht
Staueis vor der Schleuse

Die Elbe wurde vergangenen Freitagfrüh oberhalb von Hamburg wegen einer dichten Decke aus Eisschollen für die Schifffahrt gesperrt. Wie die Wasser- und Schifffahrtsdirektion in Lauenburg am Donnerstag mitteilte, sind oberhalb vom Wehr Geesthacht bei Hamburg 90 Prozent des Flusses von einer dichten Decke aus Eisschollen bedeckt. Am Donnerstag wurden letzte Binnenschiffe mit Unterstützung von Eisbrechern in Häfen gebracht, wie es hieß. Die Sperrung tritt um Mitternacht in Kraft und gilt zwischen Hamburg und Dömitz.

 

Eingeschränkt bleibt die Binnenschifffahrt auf dem Mittellandkanal, obwohl dort seit Tagen ein Eisbrecher durch eine fünf bis zehn Zentimeter dicke Eisschicht pflügt.

In Berlin und Brandenburg brechen die Eisbrecher die bis zu 15 Zentimeter dicken Eisflächen auf und sorgen auch unter den engen Brücken der Hauptstadt dafür, dass die Eisschollen in Bewegung bleiben und nicht zusammenfrieren. Der Große Wannsee und der Tegeler See in Berlin sind inzwischen für den Schiffsverkehr gesperrt.

Auch an der Ostseeküste gibt es erste Behinderungen durch Treibeis - unter anderem im Flensburger Hafen und in der inneren Schlei. Die Behörden rechnen damit, dass sich in den nächsten Tagen noch mehr Eis bildet.

Bei frostigen Temperaturen von minus zwölf Grad ist im Mannheimer Hafen erstmals seit drei Jahren ein Eisbrecher im Einsatz. Auf dem Neckar im benachbarten Heidelberg haben sich ebenfalls mehrere Eisteppiche gebildet, teilte das Wasser- und Schifffahrtsamt mit. Die Schifffahrt sei aber noch nicht behindert. In Hessen ist die Lahn nicht mehr passierbar.

Die Oder an der deutsch-polnischen Grenze friert immer mehr zu. Der Einsatz einer Flotte großer Eisbrecher werde von polnischer Seite geleitet. "Wir warten auf ein Signal aus Polen", sagte ein Sprecher des Wasser- und Schifffahrtsamtes Eberswalde (Brandenburg). Am Wochenende könne es so weit sein.

Update 12.1.2008: Winterliche Sensation in Heidelberg: Der Neckar ist zugefroren. Von Neuenheim bis zur Altstadt hat sich eine geschlossene Eisdecke gebildet, die mehrere Zentimeter dick ist und nur von kleineren "Wasserinseln" unterbrochen wird.

Bei klirrender Kälte zogen gestern Tausende an den Fluss, um das Naturspektakel zu bestaunen. "Das letzte Mal, dass ich so etwas gesehen habe, muss im Winter 1962/63 gewesen sein," erinnert sich eine Heidelbergerin an ihre Kindheit: "Damals konnten sogar die Autos auf dem Neckar fahren." Gestern spazierten Wasservögel auf der frostigen Schicht, Kinder nutzten die ebenfalls vereiste Neckarwiese als Schlittschuhbahn

 


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