Suche nach
Translate to
Willkommen in der Wirtschaftskrise
Samstag, den 04. April 2009 um 17:35 Uhr
Erstmals seit fünf Jahren werden weniger Güter mit dem Schiff auf Flüssen und Kanälen transportiert. Im Januar ist der Warentransport per Schiff im Verleich zum Vorjahr um 27,5 Prozent eingebrochen. Schon jetzt beginnen die Reeder zu rationalisieren. Wenn sich die Lage nicht nachhaltig verbessert, drohen Insolvenzen.
Deutschlands Binnenschiffer verlieren im Zuge der Wirtschaftskrise immer mehr Wasser unter dem Kiel. „Es könnte dramatisch werden. Insolvenzen drohen, wenn die Krise über das Jahr hinaus anhält“, sagte Gunther Jaegers, Präsident des Bundesverbands der Deutschen Binnenschifffahrt (BDB) und Inhabergeschäftsführer Europas größter Tankreederei, der Reederei Jaegers, dem Handelsblatt. Er hofft aber auf die belebende Wirkung des Konjunkturprogramms der Bundesregierung und vermehrte Transporte für die Bauindustrie. Eine Prognose für 2009 wollte Jaegers nicht wagen, rechnet aber damit, dass im Sommer der Tiefpunkt der Krise erreicht wird. Das Freiburger Marktforschungsinstitut BVU, das im Auftrag des Bundesverkehrsministeriums eine Mittelfristprognose erstellt hat, rechnet mit einem Minus von fünf Prozent der Menge.
Im Januar ist die Gesamtbeförderung der 1 175 Unternehmen mit insgesamt 2 300 Schiffen und Kähnen laut Statistischem Bundesamt um 27,5 Prozent auf 15,3 Mio. Tonnen eingebrochen. In den Monaten Februar und März habe sich die Lage nicht gebessert, sagte Jaegers. Weniger stark als die Transportmenge insgesamt nahmen im Januar die Containertransporte mit 18 Prozent auf 146 000 TEU (Standardcontainer) ab. Doch machen Massengüter wie Kohle und Erze etwa 90 Prozent der transportierten Güter aus. Insbesondere im Bereich der Montan- und Chemieindustrie seien die Mengen stark zurückgegangen, sagte Jaegers. Durch die Überkapazitäten gerieten nun die Preise unter Druck.
Erstmals seit fünf Jahren haben die Binnenschiffer im vergangenen Jahr weniger Güter transportiert als im Vorjahr. Die Beförderungsmenge ist um 1,6 Prozent auf 245 Mio. Tonnen gesunken. Das ist dennoch der zweithöchste Wert seit der Wiedervereinigung. Laut BDB erzielen die Unternehmen mit knapp 8 000 Beschäftigten einen Umsatz von 1,5 Mrd. Euro. Dabei handelt es sich in der Mehrzahl um Partikuliere, selbstständige Schiffseigentümer, die auch selbst fahren. Sie sind meistens für größere Reedereien als Subunternehmer tätig und besitzen in der Regel ein bis zwei Schiffe. Zu den größten Reedern zählen die Duisburger Imperial mit 650 Schiffen, Rhenus mit knapp 400, Lehnkering mit 160, HTAG Häfen und Transport AG mit 90 sowie Jaegers mit 190 Schiffen. Mit einem blauen Auge davon gekommen sei bislang die Tankschifffahrt, sagte Jaegers, auf die ein Fünftel der transportierten Menge entfällt. Seine vor 90 Jahren gegründete Familienreederei steigerte jedenfalls den Umsatz 2008 um über 15 Prozent auf 250 Mio. Euro. Jaegers rechnet 2009 aber wieder mit einer Normalisierung nach der Sonderkonjunktur wegen Treibstoffknappheit.
Allgemein ist aber Rationalisierung angesagt. Die Reeder fahren derzeit den Zukauf von Schiffsraum auf dem Markt zurück, um die Kapazitäten der fest eingesetzten Partikuliere auszulasten. Gleichzeitig werden auch Schiffe stillgelegt oder zu Reparaturen in die Werft geschickt. Auch Investitionen werden gestoppt. Reederei Jaegers hat beispielsweise die Umstellung auf neue Doppelhüllentankschiffe zurückgestellt.
Gefahrgutschiffe müssen schrittweise von Einhülle auf Doppelhülle umstellen. Spätestens 2018 soll für das Gros der Einhüllenschiffe ein Fahrverbot gelten. Ohne staatliche Hilfe werde dies in der Finanzkrise nicht zu schaffen sein, meinte Jaegers. Die Rede ist von 400 bis 600 Schiffsneu- oder -umbauten. 80 bis 90 Prozent der zu ersetzenden Tankschiffe in Europa seien in den Händen von Partikulieren, denen das Eigenkapital dafür fehle. Der BDB fordert ein staatliches Bürgschaftsprogramm zur Verbesserung der Eigenkapitalseite der Schiffseigner.
Mich hat es auch erwischt
Nachdem die Imperial Reederei meinem Arbeitgeber, der Eder und Kuhn Schifffahrt, den Vertrag anfang März kurzfristig gekündigt hat, stehen ich und meine Kollegen ab dem 1 Mai ohne Job da. Und wir sind nicht die einzigen. Nachdem Imperial einige Schubboote still gelegt und das Personal bereits um 30% gekürzt hat, sollen nochmals 30% entlassen werden. Bei anderen Reedereien sieht es nicht besser aus, es wird aus Angst vor der Zukunft kein Personal mehr eingestellt.Für uns beginnt nun ein Wettlauf um die wenigen freien Stellen die es zur Zeit noch gibt. Wer zuerst kommt, mahlt zuerst.
Und wer hat es verbrochen? Mal wieder die Amis. Ich mag gar nicht weiter auf die Amis eingehen, aber als Weltwirtschaftsmacht sollte man verdammt nochmal sorgfältiger mit Entscheidungen umgehen! Punkt - Basta!! Während bei denen die Wirtschaft schon am Boden lag boomte es noch bei uns. Klar, denn wie alles in der Weltwirtschaftspolitik dauert es gut 6 Monate bis es bei uns in Deutschland (bzw. Europa) ankommt. Da hilft mir (und meinen Kollegen) auch der G20 Gipfel herzlich wenig. Wenn sich die Amis längst wieder erholen, dürfen wir noch rund 6 Monate gedulden bis der Aufschwung bei uns ankommt. Bis heute wurde die Tankschifffahrt verschont, was ein Rennen auf diesen Bereich der Binnenschifffahrt verursacht hat, aber wie lange noch? Ich war selber viele Jahre auf Tankschiffen tätig und kenne die saisonbedingten Flauten zu genüge. Das Heizölgeschäft ist vorbei, die Lager dürften voll sein. Bleibt Benzin und Naphta/Jet A1 (Flugzeugbenzin), aber in Kombination mit der Kriese dürfte auch da bald das Licht aus sein. Wenn auch hier die Lager (für die Sommersaison = Sommerferien) voll sind bzw. die Saison vorbei ist, bricht das auch weg. Was dann? Bis dahin hat sich unsere Wirtschaft (noch) nicht erholt.
Ich hoffe ja immer noch das es anders kommt als ich denke, aber Hoffnungen habe ich wenige.
Danke Amerika, ich könnt euich grad den Kopf abreißen und in den Hals kacken!

geschrieben von Veerhaven , 06 April, 2009
Auch bei Veerhaven sieht es nicht besser aus. Unsere Boote liegen größtenteils still im Europoort und unsere Besatzung ist zuhause. Wenn sich in Walsum nicht bald was ändert sieht es düster aus für die Zukunft. Die Produktionen von Stahl in Walsum und Huckingen werden noch weiter gedrosselt. Sollten die Abnehmer nicht wieder mehr Material ordern, sieht es düster aus..
Ich drücke uns allen die Daumen dass es wieder bergwärts geht.
Bye






Auch im Flüssigtransport sind die Zahlen rückläufig. Die ersten Tanker liegen schon still, weitere dürften folgen.
Wenn das so weitergeht, sieht es auf dem Rhein bald aus wie auf der Elbe, da kann man einen ganzen Tag fahren ohne das man einem Schiff begegnet.