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Flaute auf dem Rhein weitet sich aus

Donnerstag, den 30. April 2009 um 23:13 Uhr

Duisburg. Die Krise trifft auch die Binnenschiffer: Es gibt derzeit ein Viertel weniger zu transportieren, und die Preise sind im Keller. Den Duisburger Hafen trifft es beim Stahl. Für manch einen in der Branche geht es um die Existenz.

 

Dennis Peters hat Pause. Der 32-jährige Niederländer sitzt im Steuerhaus seines nagelneuen Frachtschiffs. Im Duisburger Innenhafen hat er gerade eine Ladung Kohle abgeliefert. Noch kann der selbstständige Unternehmer lächeln, wenn er seine „Choice” vorstellt. 110 Meter ist der Frachter lang, kann über 3000 Tonnen laden - Schrott, Kohle oder Cellulose zur Papierherstellung etwa. Mehr als 6 Mio € hat ihn die „Choice” gekostet, vor wenigen Wochen wurde sie in einer chinesischen Werft fertiggestellt. Und genau das ist jetzt Dennis Peters großes Problem.

 

„Seit März warten wir immer länger auf Ladung”, sagt er. „Die Lage in der Binnenschifferei ist schlecht. Es gibt immer weniger zu transportieren. Und die Preise fallen.” Nun drücken ihn die laufenden Kosten: Personal, Versicherung und der Kredit fürs Schiff. Spätestens seit März sei die Wirtschaftskrise auf den europäischen Flüssen richtig durchgeschlagen, sagt der Niederländer. „4 bis 5 Tage warte ich im Schnitt auf Aufträge.” Eigentlich müsste er pausenlos unterwegs sein. Er fährt derzeit für Niedrigst-Preise. „Untätig im Hafen liegen ist noch schlimmer.”

Unternehmer, die gerade einen Kredit aufgenommen haben, werden die ersten Opfer sein, sagt Gunther Jaegers, Präsident des Bundesverbands der Deutschen Binnenschifffahrt (BDB). Die Lage ist ernst: „Im Vergleich zum Januar, Februar 2008 ist ein Viertel der Transportmenge weg”. In den Häfen stauen sich die Schiffe, und die Preise sind im Keller. Die rund 7800 Beschäftigten in der Binnenschifffahrt bangen um ihre Stellen. Einige Güter wurden im vergangenen Jahr noch für rund 12 € pro Tonne gefahren, nun steht der Preis bei 1,80 €. Jaegers, der 183 deutsche Reedereien, Speditionen und Eigenständige im Verband vertritt: „Das ist auf Dauer nicht durchzuhalten!”

Den Duisburger Innenhafen, Drehscheibe der europäischen Binnenschifffahrt, trifft besonders der Einbruch beim Stahl. „Da ist es derzeit extrem”, sagt Hafen-Sprecher Bernd Reuther. Er spricht von 30 bis 40% weniger Umschlag. Wirklich gut sei es nirgends, die Einbrüche bei Containern und Öl seien immerhin bislang gering. Insgesamt rechnet er für Duisburg im Vergleich zum Jahresanfang 2008 mit einem Minus von 15%.
Rettungsfonds nur schwer zu aktivieren

Der Binnenschifffahrtsverband trifft sich kommende Woche für „intensive Gespräche” mit der Bundesregierung. Noch rechnet Verbands-Chef Jaegers optimistisch mit etwa 5% weniger Umsatz im laufenden Jahr. Seriös könne das aber niemand vorhersagen. Wie der Branche, die für rund 1,5 Mrd € Umsatz steht, nun schnell geholfen werden kann, ist auch ihm noch unklar.

Bei der EU haben europäische Binnenschiffer jahrelang in einen Rettungsfonds eingezahlt, „derzeit sind da fast 40 Mio € drin”. Damit könne das Abwracken alter Schiffe belohnt werden. Oder in die „Modernisierung der Flotte” investiert werden, was Unternehmern bei Krediten helfen würde. Jedoch: Dazu müssen „alle betroffenen Mitgliedsstaaten und das Gewerbe eindeutig abstimmen, dass eine 'schwere Marktstörung' vorliegt”, so Jaegers. Das ist Auslegungssache. Und bis das Geld fließen könne, vergehen Monate. Hinzu kommt, dass nicht alle Binnenschiffer in bedrohlicher Schieflage sind. „Die Tankschifffahrt hatte im 1. Quartal eine Sonderstellung”, sagt Jaegers. Benzin und Öl gingen noch relativ gut. Dass nun Kollegen aus den anderen Branchen an ihr Geld im Rettungsfonds wollen, sagt Jaegers, schmecke ihnen gar nicht.

Für Dennis Peters auf seinem neuen Frachtkahn im Duisburger Innenhafen ist das alles Neuland. Er erinnert sich nach 16 Jahren Binnenschifffahrt nicht, dass es schon einmal ähnlich ernst gewesen ist. „Mein Vater und Schwiegervater sagen, es war in den 30er Jahren zuletzt so heftig.”

Siehe hierzu auch: Willkommen in der Wirtschaftskriese

 


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