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Binnenschifffahrt vor einer Pleitewelle

Mittwoch, den 06. Januar 2010 um 11:49 Uhr

Eine Pleitewelle sehen Binnenschiffer auf sich zuschwappen. Durch die Wirtschaftskrise nicht mehr tilgbare Bankkredite und Billigkonkurrenz aus Holland drohen der Branche. Schon werden bei Partikulieren Stimmen laut, die den geplanten Regio Port als Investitionsruine absaufen sehen.

„Die Lage ist jetzt schwierig“, sagt Jürgen Schlieter aus Hille, Vorsitzender des Bundes der Selbstständigen-Abteilung Binnenschifffahrt (BDS). Durch die Wirtschaftsflaute seien die Transportentgelte bis zu 60 Prozent gefallen. Wer in den vergangenen Jahren Investitionen auf Kreditbasis getätigt habe, sei in Schwierigkeiten geraten. In den Niederlanden beließen Banken Partikuliere nur noch deshalb an der wirtschaftlichen Existenz, damit sie wenigstens den Schuldzins zahlten. „Bei uns ist zurzeit die Frage, bei welchem Preis ein Unternehmer überhaupt noch wirtschaftlich leben kann.“

Auch der Bundesverband der Binnenschifffahrt (BDB) mit Sitz in Duisburg ist für das Jahr 2010 pessimistisch. „Es steht zu befürchten, dass existenzielle Probleme auf die Partikuliere zukommen, da sich das Frachtratenniveau auch im kommenden Jahr auf niedrigem Level befinden wird“, erklärt Jens Schwanen, Chef und Sprecher der Geschäftsführung des BDB.

Optimistischer war noch im Mai die Wasser- und Schifffahrtsverwaltung anlässlich einer Ingenieurstagung in Minden und aufgrund der Tatsache, dass der Bund 900 Millionen Euro aus Steuermitteln für die bundesdeutschen Wasserstraßen ausgeben wird. Trotz der schon damals spürbaren Flaute in den Nordseehäfen wurden dem für die Jahre 2012/2013 zu verwirklichenden Regio Port zwischen Cammer und Berenbusch beste Zukunftsaussichten beschieden. Hans Jürgen Hansch, damals Geschäftsführer der Mindener Hafen GmbH, verwies für sein Unternehmen auf Steigerungsraten im Umschlag von bis zu 38 Prozent in den vergangenen Jahren. Und auch in den ersten vier Monaten des Krisenjahres 2009 habe es lediglich einen Einbruch von 3,2 Prozent gegeben.

„Ich verstehe nicht, auf welcher Zahlengrundlage die Planungen für den Regio Port laufen“, meint angesichts des in den Regio-Port-Verbandsversammlungen ab August fortgesetzten Optimismus Klaus Kleinhaus. Rechtzeitig vor einem Jahr hatte sich der seit 25 Jahren in der Binnenschifffahrt tätige Mindener von seinem 1200-Tonnen-Schiff – dem „Bremer Roland“ – getrennt. Mit Getreide, Dünger und Aluminium-Oxid war er zuvor unterwegs gewesen. „Die guten Zeiten sind für immer vorbei,“ meint der Partikulier. Jahrelang seien in der Binnenschifffahrt Überkapazitäten geschaffen worden. Für den Regio Port werde es kaum Bedarf geben.

Kleinhaus hat bei seiner Kritik die Columbuskaje in Bremerhaven im Blick, wo nach Erweiterungen Massenentlassungen anstanden. Im Großraum Hannover sei ein neuer Containerterminal nicht ausgelastet. Ein weiteres, über einen Zweigkanal erreichbares Projekt habe man in Hildesheim auf Eis gelegt.

Der Partikulier meint, dass es vollkommen ausreichend sei, die Kapazitäten am Hafen in Hille zu erweitern. Die Anlage der Hafen GmbH hätte man im Zuge des Umbaus der Oberschleuse vor zwei Jahren vergrößern müssen. Jetzt stehe zu befürchten, dass nach Abschluss der Arbeiten an der neuen Schachtschleuse die baufällige Unterschleuse gesperrt werde.

Doch ganz so düster sehen Verbandssprecher die Zukunft nicht. „Ich glaube, dass sich die Wirtschaft wieder erholt und die Mengen entsprechend sein werden“, sagt Jürgen Schlieter vom BDS. „Ich bin schon der Meinung, dass der geplante Regio Port notwendig ist“, fügt er hinzu.

Über die zukünftige Entwicklung der Binnenschifffahrt ließen sich nur wenig präzise Aussagen treffen, da die weltweite Krise in der Nachkriegszeit ein in ihren Auswirkungen einmaliges Ereignis gewesen sei, meint Jens Schwanen vom BDB. Zwar werde es in den kommenden Jahren ein niedrigeres Niveau geben. Experten gingen aber davon aus, dass das Güterverkehrswachstum auch zukünftig anhalte und die Binnenschifffahrt daran teilhaben werde.

Tja Herr Schwanen, fragt sich nur zu welchen Preisen. Lange werden deutsche Partikuliere dem Druck aus Holland nicht mehr standhalten können. Waren dass noch Zeiten als man wie "ein Mann" zusammenstand und kurzerhand den Rhein blockiert hat (das müsste so in den 70ern gewesen sein?) um sich Gehör zu verschaffen.

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