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Achtung Kontrolle - Ein Tag an Bord der WSP 12
Samstag, den 17. April 2010 um 16:51 Uhr
Gute 15 Tonnen Gewicht hängen an dem Seil, das Michael Grüber in seinen behandschuhten Fäusten hält. „Los, zieh's rüber!“, ruft ihm sein Chef Jörg Kirch zu. Der Angesprochene legt sich mächtig ins Zeug. Langsam schaukelt das Kabinenboot auf die mit Algen bewachsene Schleusenwand zu. Endlich ist es geschafft: Grüber vertäut das Seil an einem Poller und springt zurück auf das Deck der „WSP 12“. Direkt vor dem Polizeiboot ragt das Heck eines niederländischen Frachters auf – aus Sicherheitsgründen darf das kleine Polizeiboot nicht vor dem mächtigen Güterschiff in die Schleuse einfahren. „Der würde uns glatt zerquetschen“, sagt Dienstgruppenleiter Kirch.
Mit seinem Team ist er heute auf Streife unterwegs. Bis zu 55km/h schafft das 15 Meter lange Polizeiboot (in Knoten wird nur auf hoher See gemessen). Den schwarz-weißen Rumpf krönt ein Blaulicht. „Auf Martinshorn verzichten wir – auf dem Wasser würde es nicht viel nützen“, erklärt Kirch.
Sprung aufs Boot in voller Fahrt
An der Hafenausfahrt Trier meldet sich per Funk der Frachter „MS Walküre“. Die Passage ist eng und unübersichtlich, der Steuermann möchte sichergehen, dass er freie Fahrt hat. Ein rascher Kontrollcheck der Beamten ergibt, dass die letzte polizeiliche Überprüfung der „MS Walküre“ bereits zehn Monate zurückliegt – höchste Zeit für die Wasserschutzpolizei, den Frachter unter die Lupe zu nehmen. Das Polizeiboot wendet und hält Kurs auf das Gütermotorschiff.

„Man weiß nie, was einen an Bord erwartet und wie man empfangen wird“, erklärt Binninger. „Manchen Schiffsleuten ist unsere bloße Anwesenheit ein Dorn im Auge, aber die meisten Boote, die mit kleinen Besatzungen länger unterwegs sind, freuen sich, wenn sie mal jemand anderen zum Reden haben.“ Trotzdem meldet das Wasserschutzteam die Kontrolle per Funk an: „Wir machen das nicht nach Heckenschützenmanier“, sagt der Dienstgruppenleiter. „Im Grunde überprüfen wir dieselben Dinge wie die Kollegen von der Verkehrspolizei: Papiere, Fahrtüchtigkeit von Mensch und Maschine und technische Mängel. Und auch wir hatten schon Situationen, wo wir die Waffe in der Hand gehalten haben.“
Die Kontrolle wird in voller Fahrt durchgeführt: Mit hoher Geschwindigkeit nähert sich das kleine Kabinenboot der Seitenwand des Frachters. Michael Grüber und seine Kollegin Simone Tenny haben Schwimmwesten angelegt und stehen im Bug des Bootes. Beherzt springen beide über den Spalt zwischen den Booten auf das Unterdeck der „MS Walküre“ und erklimmen die steile Treppe zum Steuerhaus.
Schiffsführer Jörn Stolte kramt die benötigten Papier aus einem Ordner: Bordbuch, Rheinpatent, Schifferdienstbuch und Fahrtennachweis. Mit kritischem Blick studiert Polizistin Tenny das zerfledderte Bordbuch. „Das ist noch von 1958, dem Baujahr des Schiffes“, erklärt Stolte. „Es müsste aber bald voll sein.“ Während die Beamten in den Papieren blättern, tollt ein kleiner Hund durch das gesamte Steuerhaus: Über Regal, Bank und Steuerrad fegt das Tier hin und her und springt immer wieder an den beiden Polizisten hoch. Die lassen sich davon nicht aus der Ruhe bringen. Michael Grüber hat inzwischen den Feuerlöscher überprüft und läuft über das vibrierende Deck zum Beiboot der „MS Walküre“. „Name und Schiffsnummer sind nicht auf den Rumpf gedruckt“, stellt er fest. Schiffsführer Stolte erklärt, das Boot sei kürzlich frisch gestrichen worden – daher die fehlende Markierung.
Feuerfeste Abfallbehälter
Nun müssen die beiden Beamten noch in den Maschinenraum hinuntersteigen – im Lärm der schweren Dieselmaschine verstehen sie ihr eigenes Wort nicht mehr.
Umweltschutz fängt mit kleinen Dingen an: Es gilt zu kontrollieren, ob die Abfallbehälter feuerfest und verschlossen sind, „damit im Fall einer Havarie keine öligen Lappen oder ähnliche Dinge ins Moselwasser gelangen“, so Grüber. „Außerdem sehen wir nach, ob vor dem Sicherungskasten eine Gummimatte liegt – wegen Funkenflug.“
Der Maschinenraum der „MS Walküre“ hält der Überprüfung stand – damit gibt es für die beiden Beamten an Bord nichts mehr zu tun. Wieder manövriert Binninger das Polizeiboot dicht an den Frachter heran, damit die beiden Kontrolleure trockenen Fußes zurück an Bord gelangen können.

Zu den wichtigsten Aufgaben der Wasserschutzpolizei Trier gehören Verkehrsüberwachung auf Mosel, Saar und allen schiffbaren Nebenarmen sowie die Aufnahme von Unfällen auf dem Wasser. Alles außer schwersten Delikten und Verbrechen der organisierten Kriminalität ist Teil des Einsatzbereichs der Beamten. Zudem liegt im Zuständigkeitsbereich der örtlichen Wasserschützer ein wichtiger Knotenpunkt: Der Trierer Hafen ist der größte Umschlagplatz für Gefahrengut an der Mosel. Hier ist der Einsatz der Polizisten zu Schiff besonders gefragt.
Zur Linken des Kabinenbootes zieht ein Schubverband vorbei. Die Kombination aus Schiff und Anhänger hat bis zu 2000 Tonnen Kohle geladen. Außendienst-Sachbearbeiterin Simone Tenny überprüft den Frachter: Der Name und die am Rumpf aufgedruckte achtstellige Schiffsnummer werden per Funk in die Zentrale durchgegeben: Wann wurde der Frachter das letzte Mal kontrolliert? Liegen aus früheren Kontrollen Mängel, Haftbefehle oder Bußgeldbescheide vor? In einem Schnellhefter haben die Beamten eine Fahndungsliste mit Namen von gesuchten Personen und Booten an Bord – jedes unterwegs angetroffene Schiff wird zunächst auf dieser Liste gesucht. „Leider ist auf der Mosel kein UMTS verfügbar, daher sind wir weiterhin auf Papier angewiesen“, sagt Steuermann Arno Binninger. Im Fall des Schubverbandes ist der Befund negativ, das Güterschiff muss nicht weiter überprüft werden.
Dienstgruppenleiter Jörg Kirch ist seit 21 Jahren bei der Wasserschutzpolizei, davon zehn in Trier, und hat bereits viel gesehen: „Wir hatten einge spektakuläre Havarien und Unfälle mit Personenschaden. Einiges davon bleibt lange im Kopf hängen. Es gab sogar schon Tankerbrände. Das Boot ist dabei erstes Einsatzmittel, wir rücken täglich aus.“ Der Mittvierziger trägt einen dunkelblauen Pullover mit dem Landeswappen auf dem Ärmel, die Dienstwaffe baumelt am Gürtel. Er blickt auf die glitzernde Wasserfläche der Mosel: „Heute ist es ruhig, aber spätestens Richtung Sommer hin, wenn die ganzen Hobbyfahrer unterwegs sind, kommt es wieder zu schweren Regelverstößen und Unfällen.“






