Lohndumping in der Binnenschifffahrt
Billiglohnarbeiter in der Binnenschiffahrt...
Mein ganz persönliches Reizthema. An dieser Stelle mache ich mir sicherlich den einen oder anderen zum Feind, insbesondere Partikuliere aber auch die großen Firmen in der Binnenschiffahrt, aber damit kann ich locker leben.
Als erstes mal meinen Dank an die Gewerkschaft für das Aufgeben des Kampfes um den Rheintarif. Ihr seid echte Helden.....begegnet mir nie im Dunkeln.
Damals gab es also den Rheintarif, der für die deutsche Binnnenschiffahrt den Lohn bis ins letzte Detail regelte. Dort stand haarklein drin was wie bezahlt werden muß. Sei es Überstunden,Feiertagszuschläge, Wochenendfahrten, Sonderarbeiten, Tankreinigung (auf Tankern die Laderäume cleanen), freie Tage, Nachtarbeit und noch mehr. Alles wurde berücksichtigt.
Haustarif
Dann der Knall in der Schiffahrt. Die Frachttarife stürzten ins bodenlose, pro Tonne Fracht gab es teilweise nicht mal mehr die hälfte des alten Preises. Den Firmen stieg das Wasser bis zum Kinn, die Lohnkosten blieben aber gleich oder stiegen sogar. Einige Firmen kamen auf die Idee einen eigenen Tarif zu erstellen, den sogenannten "Haustarif". Dieser Tarif lag natürlich weit unter dem Rheintarif, da nur ein fester Lohn bezahlt wird, egal welche arbeiten in welchem Umfang anfallen. Ob man nun 8 oder 20 Stunden am Tag arbeitete, am Lohn änderte sich nichts mehr. Es gab jeden Monat den gleichen Nettolohn auf das Konto. Die Firmen erholten sich dadurch natürlich nach und nach wieder und ihnen ging es besser. Aber die Besatzung auf den Schiffen guckte weiterhin in die Röhre. Das Model Haustarif hat sich schneller verbreitet als ein Virus. Die Gewerkschaft lief natürlich dagegen an, gab aber irgendwann doch auf und der Rheintarif war Geschichte.
Nein, er ist nicht ganz verschwunden, der Rheintarif existiert weiterhin, wenn auch in einer etwas anderen Form und dieser Tarif ist gar nicht mal so übel. Viele würden auf einen Schlag mehrere hundert Euro im Monat mehr verdienen wenn, ja wenn, sie diesen Tarif bezahlt bekämen. Und da beginnt das Problem. Man wird heutzutage gar nicht erst eingestellt wenn man auf den Tariflohn besteht, und das obwohl stur nach Rechtslage ausgelegt, dieser Tarif bezahlt werden muß. Die Firmen wissen aber auch das es genug dummes Personal gibt das für den Haustarif fährt, so das man auf die wenigen, die den Tarif verlangen, ohne weiteres verzichten kann, sprich, sie erst gar nicht einstellt. Als Begründ für das nicht zustande kommen des Arbeitsverhältnisses wird hierbei natürlich etwas völlig anderes angegeben.
Heute macht in der Schiffahrt jeder was er will. Haustarife gibt es wie Sand am Meer. Meist hat ein und dieselbe Firma gleich mehrere Tarife und zahlt seinen Mitarbeitern unterschiedliche Löhne. So kann es passieren das 2 Matrosen mit exakt der gleichen Qualifikation auf dem selben Schiff 2 unterschiedliche Löhne bekommen. Nicht umsonst findet man in vielen Arbeitsverträgen die Klausel das man über seine Verdienste nicht mit anderen sprechen darf.
Da könnt ich.... und halte mich natürlich nicht daran.
Aber das ist nur die Spitze des Eisberges, das geht noch schlimmer.
Während der Durchschnittslohn eines Matrosen bei ca. 1100-1300 € liegt gibt es auch noch die Billiglohnarbeiter aus den Ostblockländern. Diese sogenannten Matrosen, die mal irgendwo auf einem Acker gestanden haben und eventuell ein Schiff aus der Ferne gesehen haben, arbeiten hier in Deutschland teilweise für einen Lohn von 600-900 €. Ganz besonders Selbstständige (Partikuliere) aber auch viele Firmen lecken sich die Finger nach diesen Leuten. Billiger können sie ihr Personal ja nicht haben.
Ein kleines Beispiel
Zu meiner Zeit als Matrose, nehmen wir als Beispiel das Jahr 1986, arbeitete ich für die Reederei Kaufer auf dem Maintank 4, einen kleinen 85 Meter langem Tanker. Wir hatten mehr Fracht als Zeit und sind rund um die Uhr gefahren um die Termine halten zu können, Wochenende und Feiertage gab es nicht, es ging in einer Tour weiter. Es gab zu der Zeit noch den Rheintarif und so haben wir uns allein durch die Überstunden, Wochenenden und Feiertagzuschläge dumm und dämlich verdient. Ich bin teilweise mit über 9000 DM Brutto aus dem Monat rausgegangen. Ok, zum heulen waren dann die Abzüge, besonders die Lohnsteuer haute bei mir immer voll rein (Lohnsteuerklasse 1). Umgerechnet auf heute ergeben bei gleicher Leistung allein die Lohnsteuerabzüge den doppelten Nettolohn eines Matrosen in der heutigen Zeit.
Theoretisch müßte ein Matrose heute bei gleicher Leistung auf ca. 4300 € brutto kommen, netto ungefähr auf 2500 €. Und was verdient er ? 1300 € wenn er Glück hat ? Na Mahlzeit... Halber Lohn für die gleiche Leistung. Eine tolle Entwicklung.
Qualifiziertes Fachpersonal mit der dazugehörigen Ausbildung, Fähigkeiten und Kenntnissen stehen heutzutage ganz weit hinten an. Gefragt ist wie billig du den Job erledigst und ob Du ein Schifferdienstbuch hast. Hauptsache die Mindestbesatzung die ein Schiff haben muß um fahren zu dürfen ist erfüllt. Ob Du ein Schiff be- oder entladen kannst, ob Du in der Schleuse festmachen kannst oder überhaupt Ahnung von dem hast was Du da tust ist mehr oder weniger nebensächlich geworden.
Ich nenn solche Leute "Fast Food Matrosen", schnell zu haben, leicht zu entsorgen.
Ein Beispiel wie es anders geht
Gehen wir mal nach Luxembourg. In Luxembourg gibt es eine Mindestlohnregelung. Diese Regelung besagt das der vorgegebene Lohn nicht unterschritten werden darf. Aktuell liegt dieser Lohn bei ca. 1560 € netto, sofern ich richtig informiert bin. Dieser Mindestlohn ist Indexorientiert und erhöht sich automatisch mit den steigenden Lebenserhaltungskosten mehrmals im Jahr.
Viele deutsche Reedereien unterhalten in Luxenburg einen weiteren Sitz ihrer Firma oder gleich ein eigenständiges Tochterunternehmen. Der Grund dafür ist klar, die Lohnnebenkosten betragen in Luxenburg mal gerade 13-14 %. Der Nettolohn eines Matrosen der in Luxenburg angemeldet ist überragt den Lohn eines in Deutschland arbeitenden Matrosen um mehrere hundert Euro und das bei gleicher Leistung. Luxembourg sagt auch ganz klar das Arbeiter aus Nicht-EU Staaten in Luxembourg nicht arbeiten dürfen. Dadurch bekommen die Fast Food Matrosen in erst gar keine Chance dort zu arbeiten. Das und die Mindestlohnregelung verhindert einen Lohnverfall wie wir es in Deutschland erleben. Und obwohl die Firmen unterm Strich höhere Nettolöhne auszahlen sparen sie durch die niedrigeren Lohnnebenkosten etliche hundert Euro pro Mitarbeiter ein.
Zurück in die Heimat
In Deutschland ist man mittlerweile aufgewacht und hat sich der Sache angenommen, wenn auch mit zwei müden Augen. Immerhin ist der Lohnverfall, der sich ja nicht nur auf die Schiffahrt auswirkt sondern sich durch alle Berufszweige zieht, nicht unbemerkt geblieben. Ja, ich kenne unsere Regierung, die brauchen halt für alles doppelt so lange... Zumindest macht man sich bei uns schon Gedanken darüber eine Mindestlohnregelung einzuführen.
An was die wohl gemessen wird ? Ostblocklöhne ? Sozialhilfesatz ? Einheitslohn 1000 € für alle ?
Irgendwie ahne ich in dieser Beziehung nichts gutes...







